Zeugnisse

Arbeitszeugnisse sind ein wichtiger Teil deiner Bewerbung, jedoch steckt nicht in jedem auf den ersten Blick gut aussehenden Zeugnis eine gute Bewertung. Arbeitszeugnisse können Formulierungen enthalten, deren versteckte Andeutungen nur für Personalverantwortliche erkenntlich sind.

Die verschiedenen Zeugnistypen

  • Das einfache Zeugnis
  • Das qualifizierte Zeugnis
  • Das Praktikums- oder Nebenjobzeugnis
  • Das Zwischenzeugnis
  • Das Berufsausbildungszeugnis

Dinge, auf die du immer achten solltest

Bevor du deine Arbeitszeugnisse in die Bewerbungsmappe packst gilt es, einige Punkte zu beachten. Zu diesen gehören die korrekte Rechtschreibung und Grammatik, Vollständigkeit und formale Richtigkeit sowie der richtige Firmenbogen.

Prüfe insbesondere, ob dein Arbeitszeugnis fragwürdige Formulierungen oder Änderungen enthält.

Der Firmenbogen

Das dir ausgestellte Zeugnis muss auf einem Firmenbogen erstellt worden sein. Bei größeren Unternehmen, die in aller Regel über einen Repräsentations- und Geschäftsbogen verfügen, sollte das Zeugnis auf dem Repräsentationsbogen gedruckt sein.

Rechtschreibung und Grammatik

Überprüfe den gesamten Zeugnistext hinsichtlich der korrekten Rechtschreibung und Grammatik. Achte dabei besonders auf die Vollständigkeit und Richtigkeit deines Namens (inkl. Titel).

Fehler lassen möglicherweise auf Nachlässigkeit und Gleichgültigkeit deines alten Arbeit-gebers dir gegenüber schließen.

Formale Richtigkeit

Die angegebenen Daten hinsichtlich Beginn sowie dem Ende deiner Tätigkeit sind Pflicht-angaben und müssen mit den von dir im Lebenslauf angegebenen Daten unbedingt über-einstimmen. Prüfe auch, ob die Tätigkeitsbeschreibung korrekt ist und dein Werdegang sowie eventuelle Eigenverantwortung im Unternehmen ersichtlich werden.

Vollständigkeit

Zur Vollständigkeit müssen folgende Angaben enthalten sein:

  • Dein Name (inkl. Titel)
  • Dauer des Beschäftigungsverhältnisses
  • Vollständige Tätigkeitsbeschreibung
  • Leistungs-/Verhaltensbeurteilung (nicht üblich bei Praktika und Aushilfstätigkeiten)
  • Datum und Unterschrift

Fragwürdige Formulierungen und nachträgliche Änderungen

Wenn du Formulierungen entdeckst, die dir fragwürdig erscheinen, solltest du um Korrektur dieser Textpassagen bitten. Achte außerdem darauf, dass auf dem ausgedruckten Zeugnis keine handschriftlichen Änderungen mehr vorgenommen wurden.

Dein Arbeitszeugnis muss in einem einwandfreien Zustand sein, d.h. es darf auch keine Knicke aufweisen. Ein evtl. Versand des Zeugnisses muss auf jedem Fall in ungefaltetem Zustand erfolgen.

Leistungs- und Verhaltensbeurteilung

Die Beurteilung deiner Leistung sowie deines Verhaltens sind von großer Bedeutung, denn daraus können Personalverantwortliche "verschlüsselte" Informationen entnehmen.

Leistungsbeurteilung

Bei der Beurteilung deiner Leistung bieten sich dem alten Arbeitgeber verschiedene Möglichkeiten, deinem potentiellen neuen Arbeitgeber unbemerkt mitzuteilen, dass er mit deinen Leistungen nicht zufrieden war. Negative Bewertungen deiner erbrachten Leistungen machen sich durch Einschränkungen, Verneinungen oder Passiv-Formulierungen bemerkbar.

Deine Leistungsbeurteilung ausgedrückt in Schulnoten:

Note 1 (sehr gut)

  • ihre/seine Leistungen waren stets sehr gut
  • wir waren mit ihren/seinen Leistungen außerordentlich zufrieden
  • sie/er arbeitete ausnahmslos zu unserer vollsten Zufriedenheit

Note 2 (gut)

  • sie/er arbeitete stets zu unserer vollen Zufriedenheit
  • erledigte die ihr/ihm übertragenen Aufgaben zu unserer vollsten Zufriedenheit
  • wir waren mit ihren/seinen Leistungen voll und ganz zufrieden

Note 3 (befriedigend)

  • sie/er arbeitete stets zu unserer Zufriedenheit
  • sie/er arbeitete zu unserer vollen Zufriedenheit
  • erledigte die ihr/ihm übertragenen Aufgaben zu unserer vollen Zufriedenheit

Note 4 (ausreichend)

  • arbeitete zu unserer Zufriedenheit
  • erledigte die ihr/ihm übertragenen Aufgaben zu unserer Zufriedenheit
  • mit ihren/seinen Leistungen waren wir zufrieden

Note 5 (mangelhaft)

  • hat sich bemüht, die ihr/ihm übertragenen Aufgaben zu erfüllen
  • hat unsere Erwartungen größtenteils erfüllt
  • hat die ihr/ihm übertragenen Aufgaben im Großen und Ganzen zu unserer Zufriedenheit erledigt

Achte außerdem auf folgende Formulierungen:

Einschränkende Formulierungen...und deren wahre Bedeutung
teilweise, grundsätzlich nicht besonders oft, nicht immer
anfangs nach einiger Zeit nicht mehr
im Rahmen ihrer/seiner Möglichkeiten hat es versucht, das reichte jedoch nicht aus
Sie/Er bemühte sich Sie/Er war überfordert
Sie/Er zeigte Verständnis für die Aufgaben ... erledigte ihre/seine Aufgaben nicht
im Großen und Ganzen, insgesamt nicht
Negativ-Formulierungen ...... und deren wahre Bedeutung
Die Zusammenarbeit verlief ohne Beanstandungen. Wir waren mit den gezeigten Leistungen nicht zufrieden.
nicht unbedeutende Erfolge es fehlten die bedeutenden Erfolge
ohne Tadel Sie/Er lieferte keine Gründe für Lob
Passiv-Formulierungen ...... und deren wahre Bedeutung
Ihr/Ihm wurden folgende Aufgaben übertragen: ... erledigte ihre/seine Aufgaben nicht
Sie/Er wurde im Großen und Ganzen als Führungspersönlichkeit geschätzt. Die Mitarbeiter arbeiteten nicht gerne unter ihrer/seiner Leitung.

Verhaltensbeurteilung

Achte bei der Beurteilung deines Verhaltens vor allem auf Formulierungen wie "stets" oder "in jeglicher Hinsicht". Hat der Verfasser auf diese Formulierungen verzichtet, so fällt deine Bewertung höchstens mittelmäßig aus.

Prüfe außerdem, ob bei der Beurteilung deines Verhaltens gegenüber anderen eine oder mehrere Personengruppen nicht berücksichtigt wurden. In einigen Fällen kann auch die korrekte Reihenfolge geändert worden sein (es sollten immer erst die Vorgesetzten, dann die Kollegen und Mitarbeiter genannt werden). In beiden Fällen lässt dies auf ein schlechtes Verhältnis zu mindestens einer der Gruppen schließen.

Korrektur deines Zeugnisses

Hast du dein Arbeitszeugnis betreffend etwas zu beanstanden, so solltest du dies möglichst zeitnah tun.

Bei Rechtschreib- sowie Grammatikfehlern muss die Korrektur vorgenommen werden, bei Fehlbeurteilungen deiner Leistungen oder deines Verhaltens solltest du dann gute Chancen auf eine Änderung haben, wenn du deine Einwände erklärst und eigene Formulierungen ruhig und begründet vorschlägst.

Welche Zeugnisse müssen in die Bewerbung?

Jedes Arbeitszeugnis gehört in deine Bewerbung.

Kannst du eine in deinem Lebenslauf angegebene Tätigkeit nicht mit einem Zeugnis belegen, so kann der Personalverantwortliche auf eine Lüge oder ein sehr schlechtes Zeugnis schließen. Lass schlechte Zeugnisse also auf keinen Fall weg, sondern nutze das Bewerbungsgespräch, um zu erklären, warum die Beurteilung so negativ ausfiel.

Sollte dir tatsächlich ein Zeugnis fehlen, so versehe die entsprechende Tätigkeit mit einem kurzen Hinweis in deinem Lebenslauf.